Mein Jahr in Lettland
Mittwoch, 19. August 2015
Abschiedsurlaub in Lettland


Es war so viel los in letzter Zeit (und in nächster Zeit wird mindestens genauso viel noch los sein), dass mein Blog etwas vernachlässigt wurde. Aber jetzt möchte ich endlich schreiben, wie es mir in unserem Lettland-Familien-Urlaub ergangen ist, der gleichzeitig auch Abschluss unserer Zeit im Ausland war. Wobei „Ausland“ es auch irgendwie nicht trifft.

Jetzt bin ich jedenfalls wieder zuhause (seit drei Tagen) und was soll ich sagen, so richtig eingewöhnen musste ich mich noch nicht, weil alles sich gewohnt anfühlte. Und das obwohl ich mein FSJ im Herrnhuter Gymnasium bereits angetreten habe. Darüber werde ich übrigens wohl zukünftig nicht schreiben, da ja fast alle Bloginteressenten auch mich persönlich fragen können werden. Aber der Blog soll weiterexistieren, wenn auch unter anderem Namen (aber selber Adresse natürlich). Dazu muss ich mir aber noch Gedanken machen.

Noch geht es aber um Lettland. Am 28. Juli trafen unsere Eltern und unsere zwei Brüder nachmittags in der Kalna Skola ein und irgendwie ist es komisch, dass es sich so normal anfühlte, auch wenn es das nicht war. Erstmal sind wir drei Tage zusammen in der Kalna Skola geblieben, haben ein bisschen beim Beeren pflücken geholfen, waren mit unserer Familie in Grostona auf dem Bauernhof und in Madona (der nächsten Stadt). Es war so schön rauszukommen und so mobil mit dem Auto zu sein. Außerdem hatte die Schuldirektorin Geburtstag und wir haben gefeiert.


Das Feld in Grostona, auf dem wir gesät haben. Es ist ordentlich gewachsen.



Am Montag fuhren wir dann los, um durch das Land zu kurven, allerdings mit der Absicht nochmal zurück zu kommen, um uns gebührend zu verabschieden und, nicht zu vergessen, unser ganzes Zeug zusammenzupacken.

Am Montag setzten wir uns Jurkalna („Meerberg“) als Ziel. Wir fuhren über Jurmala, wo wir eine kurze Pause machten und wurden dann von J., J., J. (das ist lustig) nahe Kuldiga empfangen. Nach einem kurzen Kaffeetrinken fuhren wir gleich in diese kleinere Stadt, um sie uns anzusehen. In Kuldiga gibt es viele schöne alte Häuser, aber am berühmtesten ist sie für den längsten (d.h. horizontal breitesten) Wasserfall. Dort konnte man bis ans andere Ende durchwaten, wenn man wollte, aber das hätte uns zu lange gedauert.


Die helle Linie ist der Wasserfall.

Nach einem Pizzariabesuch fuhren wir dann noch am späten Abend nach Jurkalna, wo wir auf einem Parkplatz direkt am Meer campen durften. Das Meerwasser war echt kalt, aber der Sonnenuntergang war wunderschön und die Steilküste beeindruckend.

Dienstags fuhren wir nach Venspils. In der Hafenstadt sind überall bemalte Kühe zu sehen (keine echten natürlich) und wir haben eine Hafenrundfahrt gemacht. Außerdem waren wir am Strand.

Am nächsten Tag führen wir zum Kap Kolka. Dort war ein wunderschöner schlichter Campingplatz direkt am Meer, von dem aus man in ca. einer Stunde oder weniger bis zum Kap gehen konnte.


Der Zeltplatz.


Am Kap.

Am Donnerstag waren wir in Riga, aber über die Stadt an sich habe ich ja schon viel erzählt. Es waren richtig viele Touristen unterwegs. Am Freitag sind wir durch die Altstadt gebummelt und wir Frauen haben in der Neustadt in Second-Hand-Läden geshoppt. Und wir waren am Freitagabend im mittelalterlichen Restaurant „Rozengrāls“. Man merkt schon, es handelt sich eigentlich um das deutsche Wort „Rosengral“. Es war soooooo toll da drin. Gerade natürlich für meine Geschwister und mich als Mittelalterfans. Es sah nicht nur alles richtig toll aus, sondern es schmeckte auch richtig gut. Natürlich hatte das Essen seinen Preis, aber ich finde, es hat sich eindeutig gelohnt. ES ga auch mittelalterliche Livemusik.





Am Sonnabend waren wir in Sigulda und blieben auf einem Campingplatz direkt an der Gauja.



Das Baden in diesem Fluss war richtig schön und die Temperatur war genau richtig fand ich (auch wenn meine Schwester meinte, es wäre zu warm). An diesem Abend waren wir noch bei dem einen Schloss (indem ein Krankenhaus ist) und ein bisschen im Wald des Gauja-Nationalparks. Dort war es irgendwie fast wie zuhause. Mama hat erst gefragt, was am lettischen Wald anders als bei uns sein soll, aber auf der Fahrt zurück bemerkte sie auch, dass es was anderes ist. Und noch was war toll. In Sigulda gab es Berge (oder sagen wir, die Gauja hatte sich ein Tal gegraben). Die Berge waren zwar nicht groß, aber steil und dass erinnerte auch ein bisschen an die Oberlausitz.

Am Tag drauf haben wir dann das Schloss und die Burg auf der Seite der Gauja besichtigt, die Hella, Paula und ich schon zu dritt mal angesehen hatten. Dann fuhren wir noch auf die andere Seite des Flusses und besichtigten die Burg Turaida, um die besonders viel Wind gemacht wurde. Das war berechtigt, aber dafür war es auch sehr geschäftig dort. Dann waren wir noch bei der Gutmanishöhle. Nicht von beeindruckender Größe aber dafür umrankt von einer wunderschönen Sage.

Maija, die Rose von Turaida, liebte einen Gärtner und das Liebespaar traf sich immer an der Gutmanishohle. Aber auch ein Anderer wollte Maija besitzen. Das Mädchen versprach diesem ihm ihr Halstuch zu schenken, damit er sie im Gegenzug in Ruhe ließ. Dieses Tuch sollte magische Kräfte haben und jeden der es trug vor dem Tod bewahren. Damit er ihr glaubte, sollte er Maija mit dem Schwert prüfen, wenn sie das Halstuch trug. So tötete er Maija, wie sie es beabsichtigt hatte, damit sie dem Mann entging und ihrer Liebe treu bleiben konnte.

Wegen dieser romantischen Geschichte lassen Liebespaare ihre Namen in kunstvollen Rahmen in den Sandstein der Höhle ritzen.

Am Montag waren wir zuerst im Archäologischen Museumspark Āraiši. Dort hat man nach historischem Vorbild Wohnbauten aus dem 9.-10. Jahrhundert aufgebaut, sowie eine steinzeitliche und eine bronzezeitliche Siedlung.





Danach waren wir in der Burg Cēsis. Die ist so groß und beeindruckend und sie war früher noch viel größer. Es war echt toll!






Der gefallene Lenin auf dem Burggelände.

Noch am selben Tag sind wir zurück zur Kalna Skola gefahren. Den Tag drauf waren wir mit Packen beschäftigt und haben im See in der Nähe gebadet. Ich bade lieber in Seen als im Meer und dieser war einfach wunderschön.

Am Mittwoch haben wir eine Führung durch einen Teil des „Teiču Dabas Rezervāts“ bekommen. D.h. wir sind durch ein riesiges Hochmoor geführt worden.





Donnerstags sind wir am Lubans See entlang gefahren, dem größten See Lettlands. Dort konnte man Baden, Vögel und Fische beobachten und Seerosen bewundern.



Am Abend dieses Tages, dem letzten in der Kalna Skola, haben Paula und ich (etwas unterstützt von J., der Tochter) ein kleines Abschiedskonzert gegeben. Natürlich total ungeplant, weil wir uns das nicht ausgedacht hatten, aber es war schön für uns. Und den anderen scheint es auch gefallen zu haben. Da habe ich langsam begriffen, dass es dem Ende zugeht.
Am Freitag sind wir dann sehr früh nach einem Frühstück mit den Erwachsenen losgefahren. Es gab keine Tränen, aber es war trotzdem traurig, obwohl ich, wenn ich ehrlich bin, noch nichts vermisse. Aber das war ja nach unserer Ankunft in der Kalna Skola umgedreht genauso. Das kommt noch.
Am Freitag waren wir dann in der Burg in Bauska. Die Räume waren sehr schön, aber am besten hat mir die historische Kleidung gefallen.















Am selben Tag waren wir in Rundale im Barockschloss. Für alle Fans dieses Zeitalters ein Muss würde ich sagen. Auch wenn mich der Barock nicht so begeistert wie eben z. B. das Mittelalter, war es einfach nur beeindruckend. Alles war so groß und prunkvoll und ich will gar nicht den Gesamtwert des Schlosses wissen. Ich habe mich immer an die Menschen erinnert, die in jener Zeit auf der anderen Seite lebten und hungerten, aber dieses ganze Kunstwerk lenkte mich davon einfach immer wieder ab.







Immer noch am Freitag traten wir den Rückweg an und blieben über Nacht in Polen und von dort aus fuhren wir über Augustov (dort machten wir eine kleine Essenspause) nach Deutschland und kamen in der Nacht an.
Und, was soll ich sagen, jetzt bin ich wieder zuhause und irgendwie ist es vorbei aber es fühlt sich nicht wie ein Bruch an. Vielleicht weil einfach so viel los war.

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Sonntag, 26. Juli 2015
Johannisbeeren, Unkraut, Sonnenschein und orthodoxe Christen aus Riga – Die letzte volle Arbeitswoche

Paula vor dem Unkrautjäten


Diese Bild zeigt irgendwie sehr schön, was Lettland für mich persönlich bedeutet. Blauer Wolkenhimmel und Arbeit im Freien. (Zumindest im Sommer :) Im Winter sieht es ganz anders aus.)

In der vergangenen Woche haben wir sehr viel draußen gearbeitet. In den ersten Tagen haben wir stundenlang Johannisbeeren gepflückt, eine langwierige nervige Arbeit, aber nicht hart. Manchmal habe ich echt gejammert (nur Paula, meiner Schwester gegenüber, was echt nicht leicht für sie gewesen sein muss). Vom langen Sitzen bekomme ich Rückenschmerzen. Aber als wir in praller Hitze Unkraut jäten und dann am Nachmittag auch noch Heu machen mussten (ich hatte gedacht, das Heu wäre jetzt fertig), sehnte ich mich nach dem Beerenpflücken zurück. Beerenpflücken ist echt eine dankbare Arbeit. Das weiß ich jetzt besser.

Jedenfalls habe ich mich in dieser Woche mehrmals dabei ertappt, dass ich mir sagte: Bald ist es vorbei. Am Dienstag kommt unsere Familie hierher und wir machen zusammen Urlaub bevor es zurück nach Deutschland geht. Ich freue mich schon riesig drauf und bin gar nicht traurig wegen der Abschiede, die noch kommen werden. Sollte ich mich deshalb schämen? Bestimmt werde ich das alles hier vermissen, wenn ich erstmal zuhause angekommen bin. Dann werde ich Beerenpflücken vermissen und Unkraut jäten und selbst das Heumachen. Weil es den Kopf frei macht. Nichts macht den Kopf so frei wie Landarbeit! Mag sein, dass ich während ich auf dem Beet in der Sonne brate wünsche, ich könnte schreiben, wenn ich dann aber Zeit dafür habe merke ich, dass die guten Ideen kamen, während ich in der Erde kniete. Manches schätzt man erst, wenn es vorbei ist. Vieles eigentlich. Und ich bin nicht die Erste, die das bemerkt.

Trotz der vielen Arbeit, oder vielleicht auch wegen ihr, war die Woche wirklich schön. Eine gute letzte Woche mit all dem, was ich zuhause nicht haben werde. Zumindest nicht in diesen Dimensionen.

In dieser Woche war übrigens eine Freizeit in der Kalna Skola. Ungefähr sechzig orthodoxe Letten aus Riga haben hier zusammen gesungen, gebastelt und gebetet und was man eben auf Freizeiten so macht. Ich hatte ja gedacht, dass orthodoxe Christen irgendwie ganz streng oder so sind, aber sie waren ganz normal. Nur die Gebete waren anders. Alles wird gesungen. Das Vater Unser auch, echt alles. Das klingt so schön! Sie singen mehrstimmig und es scheinen alle singen zu können! Das klingt finde ich schon wie aus einer anderen Welt. Dabei sind die Harmonien vom Prinzip her ganz einfach. Vielleicht liegt es gerade daran.

Was noch toll an den Freizeitlern war: Sie haben gekocht und Geschirr gespült! Das hieß nicht, dass wir weniger Arbeit hatten (die Beeren müssen gepflückt werden, bevor sie schlecht werden, und das heißt so schnell und so viel wie möglich), aber es hieß, dass wir Abwechslung hatten. Trotzdem, wenn ich zwischen den Beerensträuchern saß, nur mit Paula, und mir vorstellte, dass wir in einer halben Stunde fertig sein könnten, wenn alle Gäste mitmachen würden, dann war das deprimierend. Aber die waren ja hier, um Urlaub zu machen und sie haben uns das Essen gekocht!

Jedenfalls werden die Sträucher voraussichtlich erst leer sein, wenn Paula und ich schon nicht mehr in der Schule sind. Ich habe nicht nachgezählt, aber es könnten schon hundert sein.

Ich habe in dieser Woche auch ein paar Bilder gemacht. Von den Kindern die am Lagerfeuer spielten. (Das mit dem Kokeln wird hier nicht so eng gesehen.)



Und von Winden und Sternmiere.











Ich liebe Sternmiere und Winde! Am liebsten würde ich mir mal einen Blumenkranz daraus machen, zusammen mit Vergissmeinnicht und Gewitterblümchen. Aber das würde einfach nicht halten und zu schnell verblühen.

Übrigens, morgen kommen 14 Neugnadenfelder zu uns. Sie besuchen uns, um dabei zu helfen, ein momentan nicht nutzbares Klassenzimmer zu renovieren.

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Sonntag, 19. Juli 2015
GEBURTSTAG!!!
Gestern hatten Paula und ich Geburtstag. Für alle die’s nicht wissen: Wir sind Zwillinge. Vielleicht habe ich das auch schon irgendwo mal erwähnt.

Als ich aufwachte, konnte ich erstmal aus dem Zimmer unseres Zimmers den Ausblick auf eine wunderschöne kleine Blumenwiese genießen. Leider fängt dieses Foto nicht im Mindesten ein, wie schön sie ist.



Zum Frühstück haben wir erstmal folgendes bekommen:



Und ein Plüschherz :)

Am Vormittag haben wir dann Beeren gesammelt. Hinter der Schule haben wir ganz viele Johannisbeersträucher, weiße, rote und schwarze.



Dabei habe ich diese schöne Wanze entdeckt.



Zum Mittagessen gab es dann zum Nachtisch eine Geburtstagstorte. Und was für eine! Eine superleckere und auch noch echt schicke Torte.



Und zum Launags (Vesper) gab es Pizza, Bulciņas (kleines Gebäck, aber keine Kekse, Zimtschnecken zum z. B.). Die Pizza vor allem fand ich super.



Und über den ganzen Tag verteilt gab es natürlich ganz viele Bonbons!

An diesem Tag habe ich auch gleich mal eines der Beete auf dem Schulgelände näher unter die Linse genommen. Wir haben noch andere auf denen nicht nur Gemüse und Kräuter wachsen, sondern auch Zierpflanzen aber auch diesem Beet gibt es ausschließlich Gewächse zum ankucken.







Danke für all die schönen und leckeren Geschenke!

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